Work-Life-Balance WHAT?

Unter anderem durch meine Weiterbildung in Wirtschaftspsychologie bin ich beim Thema „Work-Life-Balance“ hängen geblieben und habe das Modul unterbrochen. Ich fing an, dieses doch eher oberflächliche Konstrukt zu hinterfragen. Hast du dies auch schon einmal gespürt, dass sich dein Leben nicht sauber in Schubladen teilen lässt? Das ist kein Defizit, sondern eine sehr menschliche Erkenntnis. Deine Skepsis deutet eher auf Bewusstsein hin als auf Ablehnung.

Was mir zudem bewusst wird: Immer wenn ich etwas stärker hinterfrage, macht dies wiederum anderen Angst, sie lehnen es ab oder das Gespräch wird leiser. Heisst das, wir dürfen nur laut sein, wenn die Sichtweise dem entspricht, was alle kennen und nachvollziehen können?
Ist die generelle Überforderung in der Gesellschaft demnach schon so gross, dass keine Zeit für Hinterfragen mehr bleibt?

„Ich will kein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Leben – ich will ein stimmiges Leben.“

Warum sehen wir unser Leben nicht vielmehr in Phasen und Zyklen? Wenn ich so darüber nachdenke, nimmt dies doch auch den Druck heraus, um jeden Preis eine gekünstelte Work-Life-Balance hinzubekommen.
Sinnhaftigkeit muss endlich einen grösseren Stellenwert erhalten. Wie wäre es z. B. mit Energie-Management anstelle von Zeitmanagement? Was gibt mir Energie, was treibt mich an oder was zieht mir Energie?

Mit dem, was ich mit Work-Life-Balance verbinde, geht eine traurige Erkenntnis einher:
„Bleib leistungsfähig, aber bitte ohne zu laut zu leiden.“ Das Leben ist keine Waage. Es gibt Phasen der Intensität, des Rückzugs, der Begeisterung, der Erschöpfung usw.
Wenn wir das Ganze auseinandernehmen „Work“ und „Life“ wird dies gegensätzlich und künstlich dargestellt bzw. getrennt. Arbeit ist doch auch Leben: Zeit, Energie, Beziehung, Ausdruck, Sinn. Ist es wirklich logisch, dass wir ständig etwas „ausgleichen“ müssen?

Work-Life-Balance ist kein Naturgesetz, sondern ein kulturelles Konstrukt. Für manche kann es ein hilfreicher Anker sein, danach zu leben. Für andere, besonders für Menschen, die Arbeit als Ausdruck, Berufung oder Beziehung erleben, fühlt es sich wie ein zu enger Rahmen an.

Vielleicht geht es nicht darum, Balance herzustellen, sondern Stimmigkeit zuzulassen. Nicht alles muss ausgeglichen werden, manches will einfach verstanden werden.

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Wie baue ich mein Wunsch-Resonanzfeld auf?